ON ONTOLOGY
September - November 2026 / Falckensteinstraße 6, 10997 Berlin Kreuzberg
Ein Projekt über das Individuum, Datenorganisation und Verantwortung für die Natur. Der künstlerische Ansatz als Untersuchung des Seins. Ausgehend von Rousseaus „Individuum“ über Heideggers „Dasein“ bis hin zur heutigen „Präsenz“, tick-tock, tick-Sense!

ON ONTOLOGY
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Das Konzept der Ontologie, der „theory of being“, wurde seit der Moderne durch Martin Heideggers intelligente Ergänzungen geprägt. Er ersetzte die „Was ist“-Fragen durch Fragen nach dem Sinn des Seins, die sich aus dem “eingebundenen Sein” (Dasein) ergeben. Der Soziologe Niklas Luhmann ergänzte dies, indem er betonte, dass alles, was wir sind, lediglich das Ergebnis unserer Wahrnehmungen (Kommunikation) ist. Selbstkreation, lese; Autopoiesis erhält durch den ständigen Austausch mit der Welt Wert und Anerkennung (konstruiert sich selbst). Heideggers und Luhmanns Gedankengänge sind eine Hilfe und Bereicherung für die künstlerische Reflexion. Bereits 1992 hatte Niklas Luhmann eine klare Vorstellung davon, wie sich die Welt entwickeln würde: Der Einfluss der Medien und der „neuen“ Netzwerke würde sich auch gegen die Demokratie und das Kollektiv wenden und zunehmend Eigeninteressen dienen.
Über Generationen hinweg hat die Menschheit viel erreicht. Immer schnellere Prozesse wurden entwickelt, Zeiträume und Entfernungen wurden (bewusst und unbewusst) verkürzt, um die Produktivität zu steigern. Solange die Löhne steigen, akzeptieren die Bürger dies. Aber was, wenn Stürme den Alltag beherrschen, wenn „Flexibilität” und „in ständiger Bewegung” (in continuo motu) zu Voraussetzungen werden? Die ständige „in Entwicklung”- Mentalität (Ausbeutung und Erosion) ist überholt. Welche (prozessartigen) Voraussetzungen dienen dem Mentalitätswandel und kehren das veraltete Wachstumsmodell beiseite? Begleitende Konnotationen eines erneuerten Freiheitsbegriffs sind aktive Teilhabe (partizipatorischer Ansatz) und Offenheit statt Isolation. Diese schärfen das Bewusstsein und unterstützen so die gewünschten neuen Formen der Empathie, was wiederum die Solidarität stärkt.
Im Rahmen des Projekts werden wir vor allem aus künstlerischer Perspektive untersuchen, wie künstlerische Haltungen, Methodiken, Arbeitsweisen und Prozesse neu belebt werden können. Dabei werden wir den Einfluss der Welt (die Entkopplung des Raums von einer Kultur, die Verbindung mit vielen anderen, globale Rituale, die zunehmend lokale Rituale ersetzen, virtuelle Illusionen, die in der Realität existieren) und des Planeten nicht aus den Augen verlieren, zu denken an: unsere Sauerstoffreduktion! Wie antizipiert künstlerische Kreativität diesen Schwebezustand? Wie unterstützen zeitgenössische künstlerische Werke neue Formen der Empathie?
Das ONTOLOGY PROJEKT verbindet das klassische ontologische Subjekt (mit seinen Ideen und Handlungen von Freiheit, Empathie und Kontingenz) mit der ontologischen Welt der Daten, d. h. der Einbettung in ein Computersystem, das schnell Ordnung schafft. Das Projekt ist offen, auf allen Ebenen unvollendet, ein im Raum schwebendes Gewebe, das sich um die Unterthemen erzählen – zählen, entspannen – anspannen, Freiraum – Raum, Empathie – virtuelle Fußabdrücke, Kontingenz – Berechenbarkeit, Verschmelzung dreht, .. dies alles zusammen! Das Projekt regt an, wie offene Gedanken und Sensibilitäten, unsere Lebens- und Sichtweisen mit binären Terminologien aufgehen können, um ein Zustand der Balance herzustellen. Es ist die Suche danach, wie sich das Subjekt in den Ontologien unserer Zeit einnistet, sie verbindet und verschmilzt, während es gleichzeitig erkennt, wie die Datenontologie uns zwingt, die klassischen Formen von Freiheit, Kontingenz und Empathie völlig neu zu überdenken.
In diesem Projekt möchten wir in Berlin lebende und internationale Künstler dazu einladen, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Sie sollen nicht sofort greifbare, fantasievolle, surreale, fiktionale und utopische Kunstwerke schaffen, die alle zusammen in Form einer Gruppenausstellung (Themenprojekt) präsentiert werden. Wir verbinden die geschichtliche Entwicklung mit der Aktualität und der Zukunft und gehen dabei stets der Frage nach der gewünschten Mentalitätsveränderung nach.
Am Ende dieses Textes sollte nicht unerwähnt bleiben, dass individuelle künstlerische Haltungen fast immer auf das abzielen, was nicht unmittelbar logisch erscheint. Man sucht und forscht, wirft einen Blick auf das, was unmittelbar kulturell wertlos erscheint. Bei der künstlerischen Umsetzung erkennen wir, dass Künstler die „Kinder” unserer Zeit sind.
Sie genießen die Freiheit, freuen sich darüber und verschieben Grenzen! Sie widmen sich ganz einem Prozess, der zunächst langsam an Gültigkeit gewinnt und dann im Austausch mit anderen zu kulturellem Wert wird. Künstlerische Welten haben sich immer parallel zur realen Welt entwickelt, sprich: zur wissenschaftlichen Forschung, zu wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen – nur dass sie diese Prozesse auf künstlerische Weise visualisieren!

Teilnehmende Künstler:innen:
Sophia Berg, DE, Berlin
Saskia Edens, CH, Basel
Sara Rajaei, IR/NL, Rotterdam
Michael(a) Daoud, EG/SY/DE, Berlin
Albrecht Schnider, CH, Hinterfingen
Stephan Gross, DE, Berlin
Bernd Trasberger, DE, Berlin & Robert Hamelijnck, NL, Rotterdam
Mindaugas Gapševičius, LT, Berlin/Weimar
Denis Romanovski, BY & Elin Wikström, SE, Götheborg
Channa Boon, NL, The Hague
Peter Hagdahl, SE, Paris/Stockholm
Dr. Frank Raddatz, DE, Berlin. Dramaturg, Leiter des Theaters des Anthropozäns.
Bob Gramsma, NL/CH, Zürich
Projektzeitraum und Veranstaltungsort
Die Ausstellung öffnet Anfang September und ist bis Ende November 2026 für Besucher*innen geöffnet.
In Zusammenarbeit mit der Leitung der Begegnungsstätte Falckensteinstraße in Kreuzberg (die sich im Herzen des Wrangelkiezes befindet), gelingt es uns, das Projekt auf dem 400 m² großen Dach des Bungalows zu verwirklichen und zu präsentieren. Das Dach des Gebäudes mit seinem großen Moosbewuchs ist ein unberührter urbaner Naturfleck.
Die Kunst wird im Dialog bzw. in Bezug zum Ort, d. h. in-, auf- und über (dazu auch durch und in den Bäumen) zu dieser Atmenden Fläche gestellt. Es ist eine Fläche, die sowohl die sinnlich-kontemplative Empfindung als auch die reflektiv-kritische Wahrnehmung stimulieren wird, also das Physische und das Mentale.
Unsere Herausforderung: Wir wollen viele unterschiedliche Menschen erreichen, um sie in den sich stetig verändernden „Seins-prozess“ einzubinden! Wir erhoffen uns, dass der Ort als besinnliche, verbindende Fläche wirkt und die Besucher wieder ein wenig beseelt.
Harm Lux
Februar 2026
ENGLISH
“ON ONTOLOGY”, Project Description
A project about the Subject, Data-organization and Responsibility for Nature. The artistic approach as an investigation of being. Starting with Rousseau’s Citoyens via Heidegger ‘ Existence’ to today’s ‘Presence’, tick-tock, tick-sense!
The concept of ontology, the ‘theory of being’, has been shaped since modernity by Martin Heidegger’s intelligent additions. He replaced the ‘what is’ questions with questions about themeaning of being, which arise from ‘integrated being’ (existence). The sociologist Niklas Luhmann supplemented this by emphasizing that everything we are is merely the result of our perceptions (communication). Self-creation, read: auto poiesis gains value and recognition through constant exchange with the world (constructs itself). Heidegger’s and Luhmann’s trains of thought are an aid and enrichment for artistic reflection. As early as 1992, Niklas Luhmann had a clear idea of how the world would develop: the influence of the media and the ‘new’ networks would also turn against democracy and the collective and increasingly serve self-interests.
Over generations, humanity has achieved a great deal. Ever faster processes have been developed, and time and distance have been shortened (consciously and unconsciously) in order to increase productivity. As long as wages rise, citizens accept this.
But what if storms dominate everyday life, when ‘flexibility’ and ‘constant motion’ (in continuomotu) become daily conditions. The constant ‘in development’ mentality (exploitation and erosion) is outdated. What (process-like) prerequisites serve to change the mentality and sweep aside the outdated growth model? Accompanying connotations of a renewed concept of freedom are active participation (participatory approach) and openness instead of isolation. These sharpen awareness and thus support the desired new forms of empathy,which in turn strengthens solidarity.
Within the framework of the project, we will examine, primarily from an artistic perspective, how artistic attitudes, methodologies, working methods and processes can be revitalized. In doing so, we will not lose sight of the influence of the world (the decoupling of space from a culture, the connection with many others, global rituals that are increasingly replacing local rituals, virtual illusions that exist in reality) and the planet, thinking of: our oxygen reduction! How does artistic creativity anticipate this state of limbo? How do contemporary artistic works support new forms of empathy?
The ONTOLOGY PROJECT connects the classical ontological subject (with its ideas and actions of freedom, empathy and contingency) with the ontological world of data, i.e.embedding in a computer system that quickly creates order.
The project is open, unfinished at all levels, a fabric floating in space that revolves around the sub-themes of storytelling – counting, relaxing – tensing, free space – space, empathy –virtual footprints, contingency – predictability, fusion, … taking our responsibility…all of this together!
The project stimulates how open thoughts and sensibilities, our ways of life and perspectives can merge with binary terminologies to create a state of balance. It is a search for how the subject nestles into the ontologies of our time, connecting and merging them, while at the same time recognizing how data ontology forces us to completely rethink the classical forms of freedom, contingency and empathy.
In this project, we would like to invite artists living in Berlin and internationally to engage with these themes. They are asked to create imaginative, surreal, fictional and utopian artworks that are not immediately tangible, which will all be presented together in the form of a group exhibition (theme project). We connect historical developments with current events and the future, always pursuing the question of the desired change in mentality.
At the end of this text, it should not go unmentioned that individual artistic attitudes almost always aim at what does not immediately appear logical. One searches and explores, takes a look at what immediately appears culturally worthless. In artistic implementation, we recognize that artists are the ‘children’ of our time.
They enjoy freedom, rejoice in it and push boundaries! They devote themselves entirely to aprocess that initially gains validity slowly and then, in exchange with others, becomes cultural value. Artistic worlds have always developed in parallel with the real world, i.e. with scientific research, economic and political developments – only that they visualise these processes in an artistic way!
Artists names:
Sophia Berg, DE, Berlin
Saskia Edens, CH, Basel
Sara Rajaei, IR/NL, Filmdirector Rotterdam
Michael(a) Daoud, EG/SY/DE, Berlin
Albrecht Schnider, CH, Hinterfingen
Stephan Gross, DE, Berlin
Bernd Trasberger, DE, Berlin & Robert Hamelijnck, NL, Rotterdam
Mindaugas Gapševičius, LT, Berlin/Weimar
Denis Romanovski, BY & Elin Wikström, SE, Götheborg
Channa Boon, NL, The Hague
Peter Hagdahl, SE, Paris/Stockholm
Dr. Frank Raddatz, DE, Berlin. Dramaturg, Director Theatre of the Anthropocene.
Bob Gramsma, NL/CH, Zürich
Project duration and venue
The project will open early September and remain open to visitors until the end of November
In cooperation with the management of Community-center Falckensteinstraße in Kreuzberg (located in the heart of the Wrangelkiez neighborhood), we are able to realize and present the project on the 400 m² roof of the bungalow. The roof of the building, with its large moss growth, is an untouched urban natural spot.
The art will be placed in dialogue or in relation to the location, i.e. in, on and above (includingt hrough and in the trees) and articulates “the breathing space”. It is a space that will stimulate both sensual-contemplative sensation and reflective-critical perception, i.e. the physical and the mental.
We want to reach and to connect many different people in order to involve them in the constantly changing ‘process of being’! We hope that the location will act as a contemplative,connecting space and inspire visitors once again.
Harm Lux
February 2026
